Das Wichtigste in Kürze
- 2006 hat eine Bekannte 20.000 Euro auf Rat ihrer Bankberaterin in einen Fonds gesteckt. Ende 2012 waren davon noch 16.000 Euro übrig.
- Im Januar 2013 habe ich ihr ein einfaches Depot aus vier Dividendenaktien und etwas Gold und Silber vorgeschlagen. Umgesetzt hat sie ihn nicht, ich habe ihn aber als Musterdepot hier auf Kontotipps dokumentiert.
- Stand 15. Oktober 2026 ist das Depot 50.492 Euro wert, davon 10.718 Euro aus Dividenden. Das sind gut 8,7 Prozent Rendite pro Jahr.
- Ein einfacher Welt-ETF hätte im selben Zeitraum noch mehr gebracht: rund 87.000 Euro.
Diese Geschichte begleitet Kontotipps schon seit über zehn Jahren. Eine gute Bekannte hatte bei ihrer Hausbank Geld verloren und mich gefragt, was sie stattdessen tun soll. Meinen Vorschlag von damals und zwei Zwischenstände habe ich hier auf Kontotipps veröffentlicht. Zeit für eine ehrliche Abrechnung: Was wäre aus den 16.000 Euro geworden, und was lässt sich daraus lernen?
Die Ausgangslage: 20.000 Euro rein, 16.000 Euro raus
Um 2006 hatte meine Bekannte rund 20.000 Euro angespart. Mit dem Wunsch nach einer rentablen Geldanlage ging sie zu ihrer Hausbank, einer großen Privatbank, bei der sie seit über zehn Jahren Kundin war. Die Beraterin empfahl einen Fonds. Sechs Jahre später, Ende 2012, waren die Anteile nur noch 16.000 Euro wert, ein Minus von 20 Prozent. Zum Jahreswechsel 2012/2013 hat sie die Reißleine gezogen und verkauft.
Die Details der Beratung kenne ich nicht. Typisch sind aber zwei Kostentreiber: Ausgabeaufschläge beim Kauf und Umschichtungen in neue Fonds, bei denen jedes Mal wieder Gebühren anfallen. Verdient hat an diesem Fonds vor allem die Bank.
Mein Vorschlag von 2013
Meine Bekannte wollte keine lange Analyse, sondern einen konkreten Tipp. Also habe ich aufgeschrieben, was ich selbst mit 16.000 Euro machen würde: alles in Sachwerte, verteilt auf sechs Positionen, damit nicht alles an einer Karte hängt. Am 13. Januar 2013 habe ich das Depot zu den damaligen Kursen als Musterdepot angelegt.
| Position | Stück | Kaufkurs | Einsatz | Warum |
|---|---|---|---|---|
| Gold (Maple Leaf, 1 Unze) | 1 | 1.230,42 € | 1.230,42 € | Vermögenssicherung |
| Silber (Maple Leaf, 1 Unze) | 108 | 25,35 € | 2.737,80 € | Vermögenssicherung, Industriemetall |
| McDonald’s | 44 | 68,40 € | 3.009,60 € | Immobilien plus Franchise, steigende Dividende |
| Altria | 122 | 24,62 € | 3.003,64 € | hohe Dividende, seit Jahrzehnten erhöht |
| Novo Nordisk | 115 | 25,83 € | 2.970,45 € | Weltmarktführer bei Diabetes-Medikamenten |
| Fresenius | 111 | 27,30 € | 3.030,30 € | Gesundheitskonzern, Dialyse und Kliniken |
| Summe | 15.982,21 € | plus 17,42 € Bargeld |
Der Stand im Oktober 2026
Nach gut 13 Jahren und neun Monaten sieht das Depot so aus. Novo Nordisk hat seine Aktie 2023 noch einmal im Verhältnis 1:2 geteilt, aus 115 Aktien wurden dadurch 230.
| Position | Einsatz | Wert am 15.10.2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gold (1 Unze) | 1.230,42 € | 3.722,00 € | +202,5 % |
| Silber (108 Unzen) | 2.737,80 € | 5.510,76 € | +101,3 % |
| McDonald’s (44 Aktien) | 3.009,60 € | 9.521,39 € | +216,4 % |
| Altria (122 Aktien) | 3.003,64 € | 8.028,82 € | +167,3 % |
| Novo Nordisk (230 Aktien) | 2.970,45 € | 8.105,72 € | +172,9 % |
| Fresenius (111 Aktien) | 3.030,30 € | 4.867,90 € | +60,6 % |
| Bargeld | 17,42 € | 17,42 € | |
| Depotwert | 15.999,63 € | 39.774,02 € | +148,6 % |
Dazu kommen die Dividenden, die in all den Jahren ausgezahlt wurden. Ich habe sie hier nicht wieder angelegt, sondern einfach aufsummiert:
| Unternehmen | Dividenden 2013 bis 2026 |
|---|---|
| Altria | 4.622,89 € |
| McDonald’s | 2.629,04 € |
| Novo Nordisk | 2.405,74 € |
| Fresenius | 1.060,26 € |
| Summe | 10.717,92 € |
Ergebnis: 39.774,02 Euro Depotwert plus 10.717,92 Euro Dividenden ergeben 50.491,94 Euro. Aus 16.000 Euro sind gut 34.000 Euro Gewinn geworden, ein Plus von 216 Prozent oder rund 8,7 Prozent pro Jahr.
Dividenden: Jahr für Jahr mehr
Am meisten beeindruckt mich die Entwicklung der Dividenden. Die Unternehmen haben ihre Ausschüttungen fast jedes Jahr erhöht, ohne dass ein einziger Euro nachgeschossen wurde:
| Jahr | Dividenden | Jahr | Dividenden |
|---|---|---|---|
| 2013 | 324 € | 2020 | 781 € |
| 2014 | 404 € | 2021 | 796 € |
| 2015 | 496 € | 2022 | 932 € |
| 2016 | 604 € | 2023 | 1.003 € |
| 2017 | 604 € | 2024 | 1.028 € |
| 2018 | 656 € | 2025 | 1.195 € |
| 2019 | 754 € | 2026 | 1.141 € (bis Oktober) |
2025 brachte das Depot knapp 1.200 Euro Dividenden. Bezogen auf die eingesetzten 16.000 Euro sind das 7,5 Prozent pro Jahr, ganz ohne etwas zu verkaufen. Zum Vergleich: Tagesgeld brachte in den meisten dieser Jahre fast nichts.
Der ehrliche Vergleich: Bankfonds, Musterdepot, ETF
Gegen den Bankfonds ist das Ergebnis eindeutig. Aber war mein Vorschlag auch gut im Vergleich zu einer einfachen Alternative? Dafür habe ich nachgerechnet, was aus 16.000 Euro in einem ETF auf den MSCI World geworden wäre, gekauft am 11. Januar 2013:
| Anlage | Wert im Oktober 2026 | Rendite pro Jahr |
|---|---|---|
| Bankfonds 2006 bis 2012 | aus 20.000 € wurden 16.000 € | rund minus 3,7 % |
| Mein Musterdepot von 2013 | 50.492 € | rund 8,7 % |
| ETF auf den MSCI World | 87.045 € | rund 13,1 % |
Das Musterdepot hat den Bankfonds um Längen geschlagen, den breiten Weltmarkt aber nicht. Die Gründe sind gut zu erkennen:
- Fresenius hat sich nach Jahren mit Gewinnwarnungen und einer ausgefallenen Dividende nur gut 60 Prozent verbessert.
- Novo Nordisk war zwischenzeitlich ein Vielfaches wert und ist seit 2024 wieder kräftig gefallen.
- Gold und Silber haben ihren Zweck als Absicherung erfüllt, zahlen aber keine Dividenden.
- Im MSCI World stecken die großen US-Technologiekonzerne, die in diesen Jahren den Markt getragen haben. Im Musterdepot war keiner davon.
Ringos Erfahrung
Meine Bekannte hat den Vorschlag damals leider nicht umgesetzt. Statt selbst ein Depot zu eröffnen, ist sie von ihrer Bank zur Sparkasse gewechselt. Was dort aus ihrem Ersparten geworden ist, weiß ich nicht. Ich befürchte aber, dass man ihr auch dort wieder ein renditeschwaches Produkt mit hohen Gebühren verkauft hat, an dem vor allem die Bank verdient.
Würde ich heute rund 20.000 Euro anlegen, würde ich es ganz ähnlich machen: breit verteilt auf mehrere solide Unternehmen und etwas Edelmetall. Nur eben mit anderen Aktien, die heute attraktiv bewertet sind.
Was ich daraus mitnehme
- Kosten entscheiden. Der Bankfonds hat in sechs Jahren ein Fünftel verloren, das Musterdepot ohne laufende Gebühren hat sich mehr als verdreifacht.
- Selbst anlegen ist kein Hexenwerk. Eine Stunde Arbeit im Jahr 2013 hätte sich über 13 Jahre mehrfach ausgezahlt.
- Einzelaktien sind kein Selbstläufer. Wer wenig Zeit investieren möchte, fährt mit einem breit gestreuten ETF oft genauso gut oder besser.
- Dividenden geben Ruhe. Steigende Ausschüttungen machen es leichter, auch in schwachen Börsenjahren durchzuhalten.
Wie viel du selbst jeden Monat zur Seite legen kannst, rechnest du mit dem Cashflow-Rechner aus. Ein günstiges Depot findest du im Depotvergleich.
So habe ich gerechnet
- Kaufkurse und Stückzahlen stammen unverändert aus dem Musterdepot vom 13.01.2013.
- Aktienkurse, Edelmetallpreise und Wechselkurse vom 15.10.2026. Gold und Silber sind zum Börsenpreis bewertet, beim Verkauf an einen Händler gibt es etwas weniger.
- Dividenden brutto vor Steuern. US-Dividenden habe ich mit dem Jahresdurchschnitt des Dollarkurses umgerechnet, dänische Kronen mit 7,45 Kronen je Euro.
- Steuern, Depotgebühren und Kaufkosten sind nicht berücksichtigt. Bis 2021 blieben die Dividenden unter dem damaligen Sparerpauschbetrag von 801 Euro, danach fällt auf den Teil darüber Abgeltungsteuer an. Auf US- und dänische Dividenden wird außerdem Quellensteuer einbehalten.
- Die Dividenden sind nicht wieder angelegt. Mit Wiederanlage läge das Ergebnis höher.
Die Zwischenstände von damals findest du weiterhin in den Beiträgen Update 1 vom 22.05.2014 und Update 2 vom 03.07.2015.
Dieser Beitrag beschreibt eine vergangene Entwicklung und ist keine Anlageberatung. Aktienkurse schwanken, und vergangene Renditen sagen nichts über die Zukunft aus.
Stand: 15.10.2026, Kurse vom selben Tag






