Versicherungen für Azubis – die meisten müssen nicht sein

Viele Jugendliche sind mit Beginn der Ausbildung auf sich allein gestellt und lassen sich dadurch leicht etwas aufschwatzen, was sie gar nicht brauchen.

Versicherungen für Azubis – die meisten müssen nicht seinSobald das neue Ausbildungsjahr beginnt, durchforsten die Mitarbeiter der Versicherungen und Banken ihre Kundenbestände nach möglichen neuen Azubis. Mit dem Beginn des neuen Lebensabschnitts werden sie zu den beliebtesten Kontakten der Finanzdienstleister. Es ist schon abenteuerlich, welchen Bedarf der Vertrieb bei jungen Menschen entdeckt, die ihre ersten eigenen und regelmäßigen Einkünfte beziehen. Interessanterweise scheint das wichtigste Produkt für einen Berufsanfänger eine private Rentenversicherung zu sein. Aus Sicht des Vertriebes zahlen diese Verträge ja auch die höchste Abschlussprovision.

➪ Private Haftpflichtversicherung (sehr wichtig)

Nach Beendigung der Schule sind auch volljährige Auszubildende während der ersten Ausbildung über die Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert. Nur wenn diese über keinen Vertrag verfügen, was hoffentlich nicht der Fall ist, sollte der Abschluss einer Privathaftpflicht ein Muss sein. Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin, dass ein Haftungsrisiko ein existenzielles Risiko ist.

➪ Krankenversicherung (sehr wichtig)

Auszubildende liegen mit ihrem Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze. Damit sind sie automatisch in der Ersatzkasse pflichtversichert. Wer bislang bei seinen Eltern in der Familienversicherung mitversichert war, kann diesen Vertrag automatisch selbst weiterführen. War er bei den Eltern privat krankenversichert, ist die Suche nach einer Ersatzkasse angesagt. Die gesetzlichen Kassen unterscheiden sich lediglich in ca. fünf Prozent der Leistungen, der Beitragssatz ist identisch. Wer die Kasse wechseln möchte, kann dies tun, Voraussetzung ist lediglich, dass er die letzten 18 Monate dort versichert war.

➪ Berufsunfähigkeitsversicherung (wichtig)

Hier sollten Sie als Azubi zugreifen. Berufsunfähigkeit ist ein heißes Thema, immerhin scheiden krankheitsbedingt rund 25 Prozent der Berufstätigen vor Erreichen der Altersrente aus dem Berufsleben aus. Der Abschluss wird mit zunehmenden Alter aufgrund zunehmender Erkrankungen immer schwieriger, die Prämie steigt auch mit dem Eintrittsalter. Aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente besteht erst ein Anspruch, wenn innerhalb der letzten 60 Monate vor Eintritt des Versicherungsfalles 36 Monatsbeiträge entrichtet wurden. Darüber hinaus leistet die Erwerbsminderungsrente, wenn keinerlei andere Tätigkeit als nur der erlernte Beruf ausgeübt werden kann.

➪ Hausratversicherung (selten notwendig)

Solange Sie im Haushalt der Eltern wohnen, sind ihre Besitztümer über deren Hausratversicherung mit abgedeckt. Müssen Sie im Rahmen der Ausbildung an einen anderen Ort ziehen, überprüfen Sie die Police der Eltern, ob diese eine sogenannte Außenversicherung mit einschließt. Bei hochpreisigen Anschaffungen wie hochwertige Hi-Fi-Anlage oder Computer ist allerdings zu prüfen, ob der Schutz der elterlichen Police hier noch ausreichend ist.

➪ Rentenversicherung & Riester (nicht wichtig)

Als Auszubildender sind Sie automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung mitversichert. Eine private Rentenversicherung ist zunächst unsinnig. Natürlich kann man nie rechtzeitig genug mit dem Sparen beginnen, eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist hier allerdings die intelligentere Lösung. Die Beiträge werden aus dem Brutto finanziert und mindern die Sozialabgaben und Steuern, sofern diese überhaupt anfallen. Zahlt der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen, können diese in eine bAV einfließen.

Eine Riester-Rente ist nett, aber kinderlos und im Rahmen der Ausbildungsvergütung nicht unbedingt im Fokus eines Azubis, auch wenn manch Vertriebler da gern eine andere Meinung hat.

Um privat fürs Alter vorzusorgen ist ein schlichter ETF Sparplan bei einem Online-Depot die effizienteste und kostengünstigste Lösung.

➪ Unfallversicherung (weniger wichtig)

Unfallversicherungen tragen in der Assekuranz die schöne Umschreibung „Absicherung der Arbeitskraft“. Unstrittig ist, dass Invalidität nicht vorhersehbar ist und massive Auswirkungen auf die Berufsfähigkeit hat. Während eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) erst ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit greift, dies aber auch organische oder psychische Leiden einschließt, zahlt die Unfallversicherung bereits ab einem Prozent einer unfallbedingten Invalidität. Für Motorradfahrer wäre diese Absicherung durchaus empfehlenswert, der BU sollte aber auf jeden Fall der Vorzug gegeben werden.

Lassen Sie sich von wortgewandten Vertretern nicht erzählen, was Sie benötigen, überprüfen Sie ihren Bedarf selbst. Nur so ist sichergestellt, dass keine unnötigen Prämienzahlungen erfolgen – die Ausbildungsvergütungen sind knapp genug bemessen.

Autor: Dagmar Dittfeld » Redaktion Kontotipps.de

Seit 2009 in der Finanzredaktion. Steuern optimieren, Einnahmen erhöhen und Ausgaben senken sind meine Leidenschaft. Dafür behalte ich für Sie Woche für Woche das aktuelle Marktgeschehen und neue Gesetzgebungen im Auge.

Schreibe einen Kommentar